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Auf die harte Tour
Das Schuldner versuchen sich vor der Abgabe der eidesstattlichen Versicherung zu drücken ist fast schon normal und irgendwie auch verständlich.
Die Konsequenzen sind nicht unbedingt erstrebenswert und haben mit Sicherheit auch die ein oder andere Einschränkung zur Folge. Meist sind die Schuldner dann jedoch so einsichtig, dass sie spätestens nach einer weiteren Ladung zum Termin auch erscheinen und, wenn auch nicht gerne, die eV abgeben.
Einige seltene Exemplare treiben das Spielchen dann sogar soweit, dass nur noch ein Haftbefehl zur Erzwingung der eidesstattlichen Versicherung beantragt werden kann und dieser dann durch den Gerichtsvollzieher vollstreckt wird, bzw. dann endlich eingesehen wird, dass die Zeit für Spielchen nun wirklich vorbei sind und die eidesstattliche Versicherung dann doch noch freiwillig abgegeben wird.
Einer unserer Schuldner meinte jedoch, uns auf die Probe stellen zu müssen.
Nach erfolgloser Ladung des Gerichtsvollziehers beantragten wir einen Haftbefehl beim Amtsgericht, der auch sehr zügig erlassen wurde.
Den Haftbefehl schickten wir daraufhin mit einem Verhaftungsauftrag an den Gerichtsvollzieher, der daraufhin, mit dem Haftbefehl “bewaffnet”, die Wohnung des Schuldners aufsuchte. Dieser öffnete daraufhin, offensichtlich etwas überrumpelt und gerade erst wach geworden, die Türe, woraufhin im der Gerichtsvollzieher eröffnete, dass er entweder nun die eidesstattliche Versicherung abgeben könne, oder er den Haftbefehl nun umgehend vollstrecken wird und ihn in die JVA bringen lassen wird.
Raffiniert wie der Schuldner nun zu sein glaubte, weigerte er sich auch weiter, die eidesstattliche Versicherung abzugeben, woraufhin der Gerichtsvollzieher dem Schuldner die Verhaftung erklärte und diesen dann mit Hilfe der Polizei ins Gefängnis bringen lies.
Da unser Schuldner jedoch einer von der ganz gerissenen Sorte ist, meinte er den Versuch wagen zu können, sich auch dort noch etwas zu weigern, die eidesstattliche Versicherung abzugeben. Spätestens nach 24 Stunden wäre er sowieso wieder raus, dachte er laut eigenen Angaben.
Das Problem aus seiner Sicht war nur, dass die 24 Stunden vergingen und er nach wie vor hinter Gittern saß.
Aus welchen Gründen auch immer, aber der Schuldner hielt es sage und schreibe fast 14 Tage im Gefängis aus, ehe er die Gefängisleitung bat einen Gerichtsvollzieher zu besorgen, der ihm die eidesstattliche Versicherung abnimmt. Dieser kam dann auch sogleich und die Sache war erledigt.
Aus dem Vermögensverzeichnis ergaben sich dann einige kleinere Ansatzpunkte für weitere Zwangsvollstreckungsmaßnahmen, die wir daraufhin auch direkt einleiteten. Spätestens die Kontopfändung schien ihm dann jedoch den Rest gegeben zu haben, denn daraufhin meldete sich der Schuldner bei uns und bat um Ratenzahlung. Diese bedient er nun seit einiger Zeit stets pünktlich und in voller Höhe.
Manchmal ist es wirklich unverständlich, wieso manche Schuldner es wirklich zum Äußersten kommen lassen, nur um hinterher die Erkenntnis erlangt zu haben, dass sie aus der Sache weder herauskommen, noch dass die Sache dadurch günstiger wird.
Zum Glück merkt die große Mehrheit der Schuldner wenn sie endgültig verloren haben und der Kampf die Sache nur noch verschlimmert und verteuert. Aber der ein oder andere unverbesserliche Schuldner ist immer wieder mal dabei. Denen bringen wir es dann eben auf die harte Tour bei, indem sie die Konsequenzen zu spüren bekommen und notfalls wirklich auch mal für eine Weile hinter Schloss und Riegel verbringen.
Jeder so wie er mag.
Versprechen sind zum brechen da
Immer wieder kommt es vor, dass man mit einem Schuldner eine Ratenzahlung zur Tilgung seiner Schulden vereinbart.
Man kommt ihm etwas entgegen, vor allem dadurch, dass er nicht die gesamte Forderung auf einmal begleichen muss.
Der Dank dafür ist dann leider immer wieder, dass entweder die Vereinbarung gar nicht erst zurückgesandt wir oder dass sich der Schuldner nicht daran hält. Meistens herrschaft dann auch noch großes Unverständnis, wenn man später dann nicht mehr ohne weiteres zu Zugeständnissen bereit ist. Es sei einfach “dumm gelaufen” damals, aber man hätte sich wirklich daran gehalten wenn es irgendwie möglich gewesen wäre. Ausflüchte und Entschuldigungen sind dann schnell bei der Hand.
Das es aber, zumindest wenn man nie vor hatte, sich an die Vereinbarung zu halten, sie aber dennoch unterschrieben hat, deutlich teurer wird, wenn die Sache dann später doch noch per Mahnbescheid geltend gemacht werden muss, dass jedenfalls scheint sich niemand vorher zu überlegen. Zudem enthält eine Teilzahlungsvereinbarung immer auch ein Schuldanerkenntnis und zumeist auch noch die Passage, dass der Schuldner keinerlei Einwände oder Einreden erhebt. Er schneidet sich in diesem Falle somit selbst die Möglichkeit der Verjährungseinrede ab. Dies ist für ihn bitter, für uns jedoch selten ein Problem, da die Forderungen meist noch lange nicht verjährt sind.
Sicherlich lässt sich durch eine Teilzahlungsvereinbarung, die man in der Absicht abschließt, sie nie einzuhalten, etwas Zeit gewinnen, auf weitere Zugeständisse oder gar Verständnis muss man dann jedoch auch nicht mehr hoffen. Insgesamt dürfte die Rechnung eher für den Schuldner als für den Gläubiger schlecht aussehen. Der Schuldner hat sich sämtliche Einreden abgeschnitten, die Forderung anerkannt und auch noch die Kosten komplett übernommen, dafür hat er, im Besten Fall, ein paar Wochen gewonnen. Der Gläubiger hingegen hat zwar etwas Zeit verloren, dafür jedoch eine abgesicherte und unbestreitbare Forderung, die noch dazu mit momentan fast schon fürstlichen Verzugszinsen verzinst wird.
Auch hier gilt außerdem das Sprichwort: “Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht”. Deshalb sollte man sich vorher überlegen, ob der vermeintlich gute Trick am Ende nicht vielleicht doch nach hinten los geht und man sich mehr Probleme eingehandelt hat, als das man einen Nutzen daraus ziehen könnte.
Aus Fehlern kann man lernen, muss man aber nicht
Es kommt immer ieder vor, dass man eine Forderungssache übertragen bekommt und man sich fragt, woher man den Namen des Schuldners schon einmal gehört hat. Irgendwie kommt er einem bekannt vor, nur kann man ihn nicht direkt zuordnen.
Eine Suche in den Schuldneradressen bringt dann oft die Erkenntnis, dass man den oder die Schuldnern vor einiger Zeit schon einmal in einer anderen Sache hatte. Meist kommt dann auch nach und nach die Erinnerung um was es damals genau ging.
Wenn ich dann jedoch sehe, dass der Schuldner nicht nur beim gleichen Mandanten erneut in der Kreide steht, sondern, wie bereits beim ersten Mal, vier bis fünf Mahnungen verschickt wurden, ehe man endlich einmal ernst gemacht hat, dann verstehe ich es nun wirklich nicht mehr.
Es spricht ja nichts dagegen, wenn man einen ehemaligen Schuldner wieder als Kunden bedient. Generell spricht auch nichts dagegen, ihm etwas auf Rechnung zu liefern, sofern man sich dem Risiko bewusst ist. Unverständlich ist für mich jedoch, wieso man in so einem Fall erneut vier bis fünf Mahnungen verschickt, obwohl man weiß, wie es damals gelaufen ist.
Gutmütigkeit in allen Ehren, aber so etwas würde ich nicht tun. Irgendwann zahlt er gar nicht mehr und dann?
Vor allem, wenn man bereits in der Vergangenheit die Erfahrung machen musste, dass er auf Mahnungen nicht reagiert, sondern erst merken muss, dass es jetzt eng wird.
Bei mir ist nach zwei, allerhöchstens drei Mahnungen das Ende der Fahnenstange erreicht. Natürlich hat man immer wieder Mandanten, da weiß man ganz genau, dass es einfach etwas länger dauert. Da weiß man aber auch, dass das Geld in jedem Fall kommt.
Ewig lasse ich mir jedoch nicht auf der Nase herumtanzen, irgendwann müssen den Drohungen auch mal die Konsequenzen in Form eines Mahnbescheids folgen.
Aber manche scheinen es einfach nie zu lernen, oder aber, sie wollen, dass wir uns auch noch etwas daran verdienen können.
Auch nett, eigentlich.
Lieber auf die teure Art
Manchmal könnte man wirklich meinen, dass einige Schuldner es einfach brauchen, dass die Forderungen höher und höher werden.
Anstelle die Rechnung einfach zu bezahlen warten manche lieber, ob sich des irgendwann etwas tut und es wirklich ernst wird.
Gemeint sind damit nicht diejenigen, die es sich einfach nicht leisten können, die Rechnung zu bezahlen, sondern diejenigen, die es einfach darauf anlegen und versuchen ob es vielleicht klappt, dass man sich nach einiger Zeit in die Verjährung retten kann ohne auch nur einen Cent für die neue Couch, den neuen Fernseher oder was auch immer bezahlt zu haben.
In einem aktuellen Fall haben wir mal wieder so einen Schuldner.
Eigentlich hat er gerade Geld genug, einen mehr als nur ordentlichen Verdienst, ein eigenes Haus was laut eigenen Angaben bereits bezahlt is und natürlich darf der Sportwagen vor der Doppelgarage auch nicht fehlen.
Wie zu erwarten reagierte er auf die erste Zahlungsaufforderung nicht. Auch telefonisch war er nicht zu erreichen.
Durch einen Besuch konnte dann jedoch endlich der Kontakt hergestellt werden. Weder Einwände noch sonstige Gründe für die ausstehende Zahlung wurden erhoben. Bereit die Forderung zu begleichen war er jedoch trotzdem nicht.
Auch die Aussicht, dass wir dann einen Titel besorgen und die Zwangsvollstreckung einleiten werden ließ ihn kalt.
Trotz des freundlichen und offenen Gesprächs und der eindringlichen Worte, dass man die Sache doch auch so ohne große Probleme und Kosten aus der Welt schaffen könnte, ging er nicht darauf ein. Es wäre ihm egal was wir nun machen würden, er würde jedenfalls nichts bezahlen.
Mittlerweile ist sowohl der Titel beschafft, als auch die Pfändung seines Bankkontos sowie seiner Lohnansprüche erledigt.
Die Bank konnte bereits auf einen Schlag die gesamte Forderung überweisen, so dass wir hier noch nicht einmal mehr den Arbetgeber bemühen müssen.
Vielleicht lernt der Schuldner was daraus, immerhin hat sich die ursprüngliche Forderung durch sein Verhalten fast verdoppelt.
Aber wenn es ihm so lieber ist soll es ja auch recht sein. So sind alle zufrieden und jeder hat das bekommen was ihm zusteht.
Letzte Chance – Er hat sie genutzt!
Ein Schuldner steht bei seinem Vermieter mit mehreren Tausend Euro in der Kreide. Die Rückstände werden nicht abgebaut und dadurch, dass meist auch nicht die gesamte Miete bezahlt wird, sammelt sich immer mehr an.
Der Schuldner arbeitet zwar, aber aus welchen Gründen auch immer bekommt er es nicht auf die Reihe, dass er davon seine Miete komplett bezahlt. Alles andere scheint wichtiger zu sein, wie er auch selbst zugibt.
Als letztes Mittel hat ihm nun sein Vermieter fristlos wegen der Mietrückstände gekündigt.
Wenig später, nachdem er die Kündigung erhalten hat, meldet er sich bei mir und bekniet mich, für ihn noch ein gutes Wort einzulegen, damit er jetzt endlich seine Schulden zurückzahlen kann und dennoch in der Wohnung bleiben kann. Man merkte, dass ihm die Kündigung wohl nicht nur einen ordentlichen Schock versetzt hat, sondern dass sie ihm wohl endlich auch die Augen geöffnet hat. Das es fast schon 5 nach 12 ist scheint er dadurch begriffen zu haben.
Als Zeichen seines guten Willens bringt er daraufhin sofort 200 Euro vorbei und nach Rücksprache mit dem Mieter konnte ich ihm eine letzte Chance einräumen. Das war mittlerweile vor rund fünf Monaten.
Seit dieser Zeit bezahlt er nicht nur seine Miete pünktlich, sondern meistens sogar noch einige Tage früher als vereinbart. Zudem bezahlt er auch weiterhin 200 Euro auf die Rückstände, so dass wir hier auch endlich Licht am Ende des Tunnels sehen. Spätestens in einem Jahr sollten wir es geschafft haben und dann endlich auch wieder auf dem Laufenden sein.
Der Schuldner hat es wirklich kappiert und seine letzte Chance genutzt. Eine weitere bekommt er nicht und so wie es aussieht benötigt er diese auch nicht. Ganz im Gegenteil. Aus einem Schuldner, der sein Leben nicht im Griff hat und dem einfach alles schief zu laufen scheinte, ist ein Schuldner geworden, der mittlerweile sogar ein paar Euro jeden Monat zur Seite legt, damit ihm so etwas nicht noch einmal passiert.
So sollte es eigentlich öfters laufen, dann würde der Job sogar noch mehr Spaß machen, wenn man sieht, dass sich wirklich etwas in den Köpfen und an der Einstellung ändert.
Verarschen kommt nicht gut an
Wenn ich etwas auf den Tod nicht ausstehen kann ist es, wenn jemand meint er könnte mich verarschen. Im Prinzip bin ich ein relativ gutmütiger und verständnisvoller Mensch, der auch mal etwas großzügiger sein kann, wenn jemand sich wirklich bemüht oder einfach in der Klemme steckt.
Wenn ich jedoch merke, dass jemand meint er sei besonders schlau und kann mich verarschen, dann hört es mit dem Spaß auf und mein Verständnis wandelt sich eher in besondere Strenge und Konsequenz.
Mit einer Schuldnerin mit der seit einigen Monaten bereits eine Ratenzahlung läuft, ist vereinbart, dass ich die Rate monatlich zum 15. abhole.
Das klappte bisher auch halbwegs, zwar nicht immer pünktlich, aber eigentlich klappte es.
Ich kündigte mich daher wie gewohnt gestern per SMS für heute morgen an. Gegen 20 Uhr erhielt ich dann eine SMS, dass sie morgen nicht könne, da sie bei Verwandtschaft zu Besuch sei und erst am Freitag Abend wieder zurück sei.
Eigentlich ja kein Problem. Wir vereinbarten dann, dass ich einfach am Montag vorbei komme und die Rate abhole. Alles kein Problem soweit.
Die Schuldnerin wohnt in einem kleinen Ort direkt an der Hauptstraße. Auf dem Weg zu anderen Terminen musste ich heute dann sowieso direkt an ihrer Haustüre vorbeifahren. Einige Meter weiter sah ich dann auf dem Gehweg eine Frau, die der besagten Schuldnerin täuschend ähnlich sieht. Da diese nun mal kein Allerweltsgesicht hat, drehte ich bei der nächsten Gelegenheit um und sprach sie dann an.
Man sah direkt, wie sie sich ertappt fühlte. Auf meine Frage, was das den sein sollte, antwortete sie nur, dass sie doch früher heim gekommen sei und gerade eben zur Bank wollte. Sie wollte mir dann sofort anrufen wenn sie das Geld von der Bank geholt hätte, damit ich vielleicht noch kurz vorbei kommen könnte. Wir vereinbarten dann, dass sie das Geld holt und ich heute Abend noch kurz vorbei komme um die Rate abzuholen.
Heute Nachmittag erhielt ich dann eine SMS von ihr, dass sie leider das Geld noch nicht hätte. Mehr nicht. Also rief ich ihr auf dem Handy an und konnte dort aber nur ihren Sohn erreichen, der die ganze Angelegenheit von Anfang an mitbekommen hat und weiß was Sache ist.
Dieser war doch etwas erstaunt, dass seine Eltern es nicht so richtig auf die Reihe bekommen. Er fragte dann noch nach, ob den die SMS seiner Mutter gestern nicht angekommen sei, da er dabei gewesen wäre, wie sie diese verschickt hätte. Auf meine Frage, ob er den ebenfalls bei der Verwandtschaft war, war er erneut etwas irritiert. Es stellte sich dann heraus, dass weder seine Mutter noch er gestern weg waren und auch nichts geplant sei. Im Gegenteil. Seine Mutter wäre gestern und auch die Tage zuvor immer zu Hause gewesen. Ich bedankte mich dann für die Informationen und er sagte mir noch, wann ich seine Mutter erreichen könnte.
Wenig später rief ich dann die Schuldnerin erneut an. Sie sah nicht einmal ein, dass das so nicht geht und dass ich mich von ihr nicht verarschen lasse. Sie sei bei Ihrer Verwandtschaft gewesen und erst heute morgen wieder spontan zurückgekommen. Dass das jedoch alleine schon wegen der Entfernung nur schwer möglich sein dürfte überzeugte sie immer noch nicht, dass sie ihre Lügenmärchen endlich aufgab. Ich setzte ihr daher eine Frist bis Montag um die Rate zu überweisen. Andernfalls habe ich ihr bereits jetzt angedroht, dass ich die Zwangsvollstreckung wieder aufnehmen werde und die Kontopfändung umgehend wieder aufleben lassen werde. Mal sehen ob sie dann endlich reagiert und die Rate bezahlt.
Verarschen lasse ich mich auf diese dumm-dreiste Art nicht.
Wenn es irgendwelche Probleme gibt kann man gerne darüber reden. Eine Rate auszusetzen wäre auch kein Problem gewesen, nur auf die Tour läuft es einfach nicht und zukünftige Zugeständnisse sind jetzt sicherlich nicht mehr drin. Irgendwann hat auch meine Geduld und meine Nachsicht ein Ende!
Zuviel gezahlt! Dann behalten Sie es doch einfach
Eigentlich kommt so etwas niemals vor. Im Gegenteil. Meistens versuchen die Schuldner, aus welchem Grund auch immer, zu wenig zu bezahlen. Teilweise werden die Zinsen einfach vergessen, teilweise werden sie absichtlich weggelassen, aber dass jemand zu viel bezahlt kommt eigentlich nie vor.
Eigentlich. Denn erst diese Woche trat dieser extrem seltene Fall ein.
Die Schuldnerin hatte mit uns Ratenzahlung vereinbart und hierzu einen Dauerauftrag eingerichtet, so dass monatlich zum 1. die vereinbarte Rate von 50 Euro an uns überwiesen wird.
Nachdem die Forderung so gut wie bezahlt war, teilten wir ihr Anfang April mit, dass die Restforderung noch knapp 33 Euro betragen würde und Sie bitte den Dauerauftrag entsprechend abändern soll bzw. kündigen und die Restforderung dann pünktlich zum 1.5. überweisen soll.
Das Geld kam dann auch pünktlich, allerdings nicht nur 33 Euro, sondern rund 50 Euro, wie üblich. Die Schuldnerin hatte sich also nicht wie von uns vorgeschlagen, an Ihre Bank gewandt, um den Dauerauftrag zu ändern.
Also riefen wir bei der Schuldnerin an, um ihr mitzuteilen, dass sie in dieser Sache ein Guthaben von 17 Euro hätte.
Die Schuldnerin antwortete nur, sie wisse das, da sie es nicht mehr zur Bank geschafft hätte. Wir sollten das Geld doch einfach behalten.
Da wir so etwas grundsätzlich nicht tun schlugen wir vor, dass wir ihr entweder das Geld zurücküberweisen, oder es auf eine ihrer anderen noch offenen Forderungen umbuchen, so dass das Geld dann dort als zusätzliche Zahlung verbucht wird. Aber eigentlich wollte sie weder das Eine noch das Andere so recht. Sie beharrte darauf, dass wir es einfach behalten sollten.
Nach einigem Hin und Her einigten wir uns dann doch darauf, dass wir das Geld zwar behalten, es aber auf die noch offene Forderung umbuchen.
In diesem Fall sind die 17 Euro zwar nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, allerdings zählt letztlich jeder Cent, der von der Forderung getilgt wird.
Wieso die Schuldnerin aber auf einmal so von der Großzügigkeit gepackt wurde ist uns nach wie vor schleierhaft. Eigentlich war sie bisher immer eine von der Sorte, die um jeden Euro feilschen, damit sie ja nicht zuviel bezahlen.
Mal sehen, was die Zukunft noch bringt. Wir werden die Dame ja noch eine Weile begleiten dürfen.
Schuldner Stalking
Momentan bearbeiten wir eine Forderungssache, bei der die Schuldnerin eigentlich schon vor einigen Monaten eine Ratenzahlung abgeschlossen hat und diese auch seit dem problemlos läuft. Wenn alles gut geht müsste die Sache Ende des Jahres erledigt sein.
Diese Schuldnerin scheint aber eine Sonderbehandlung zu benötigen, jedenfalls ruft sie fast jede Woche, weil sie irgendwelche Fragen hat. Die Fragen stellt sie aber mittlerweile in einer Regelmäßigkeit, dass man schon fast im Kalender eintragen kann wann sie mit welcher Frage anruft.
Besonders beliebt ist dabei die Frage, was sie mit unseren Schreiben machen solle.
Man könnte sich langsam aber sicher durch die ständigen Anrufe, nicht nur auf dem Festnetz, sondern auch auf dem Handy, schon ein wenig belästigt fühlen. Entweder sie versteht einfach nicht, was man zu ihr sagt, oder sie macht es absichtlich und versucht uns hier zu terrorisieren. Dabei sollte das doch eigentlich, zumindest wenn man dem Image der Branche folgt, eher unser Job sein.
So etwas hatte ich bisher auch noch nicht, aber wie man sieht scheint alles möglich zu sein. Sogar Stalking durch einen Schuldner. Bleibt nur zu hoffen, dass die Sache dann nach Abschluss der Ratenzahlung auch ein Ende findet, sonst wird es wirklich lästig, wenn man alle paar Tage bzw. Wochen das Gleiche erklären muss. Vielleicht sollte man die Antworten mal auf Tonband aufnehmen oder als Podcast veröffentlichen?
Jammern auf hohem Niveau
Es gibt zweifellos Schuldner, mit denen will man um keinen Preis auch nur einen Tag tauschen. Schuldner denen es wirklich schlecht geht und die teilweise nicht mehr nur am Rande des Existenzminimums leben, sondern teilweise sogar schon darunter.
Es gibt aber auch immer wieder Schuldner, die haben an sich ein schönes und recht komfortables Leben, bekommen ein ordentliches Gehalt und man sollte meinen, dass man damit ganz locker über die Runden kommen sollte. Sollte man meinen.
Genau diese Schuldner sind es meistens, die einem nach einer Pfändung o.ä., bei der vielleicht auch wirklich mal was gepfändet werden kann, einem mit ihrem ständigen gejammer, wie schwer sie es doch haben und wie schlecht es ihnen doch geht, gehörig auf die Nerven gehen können.
Schuldner, die sowieso schon fast nichts zum leben haben zeigen da meistens deutlich mehr Engagement, wenn es darum geht ihre Schulden aktiv anzupacken und, wenn auch nur in winzigen Schritten, nach und nach abzubezahlen.
Um ehrlich zu sein sind mir diese Schuldner tausendmal lieber. Oft sind sie sich dessen bewusst, dass sie nicht ganz unverschuldet in den Schlamassel geraten sind und versuchen deshalb mit aller Kraft da auch wieder herauszukommen. Oft sind aber gerade die Schuldner, die mehr oder weniger problemlos ihre Schulden tilgen könnten, in dieser Hinsicht völlig uneinsichtig und schieben die Schuld grundsätzlich auf andere.
In einigen der aktuellen Fälle zeigt sich dies wieder sehr deutlich. Die Schuldner, die zahlen könnten, jammern schon bei der kleinsten Rate. Einige von diesen Schuldnern könnten die Forderung sicherlich auch in deutlich höheren Raten begleichen, was dann meist nach einigen zähen Verhandlungen auch vereinbart werden kann. Es zeigt sich aber auch immer wieder, dass gerade die “armen” Schuldner häufiger versuchen ihre Ratenzahlungsvereinbarungen auch wirklich einzuhalten, wo hingegen die “reichen” Schuldner es damit oft nicht so ganz genau nehmen.
Gerade die Ausrede, man müsste die nächste Zeit dann hungern, wenn wir die und die Maßnahmen nicht wieder aufheben würden, hört man oft. Ostern rückt näher und da schmerzt eine Kontopfändung natürlich doppelt, was sicherlich auch ein Grund ist, wieso sich kurz vor Ostern so viele Schuldner nach der Pfändung ihres Bankkontos plötzlich melden und versuchen die Pfändung irgendwie noch vor Ostern aufgehoben zu bekommen.
Insgesamt muss man die “armen” Schuldner fast schon bewundern, mit welcher Gelassenheit sie sich ihren Schulden stellen und diese aktiv abarbeiten. Das Jammern der “reichen” Schuldner kann man da schon manchmal nicht mehr hören – und das bei Schuldnern, die sicherlich mehr als der Durchschnitt verdienen. Wenn das nicht jammern auf hohem Niveau ist, was dann?
Manchmal muss man den Gläubiger einfach bremsen
Das gilt nicht nur dann, wenn er völlig unrealistische Erwartungen hat was die (gesetzlichen) Möglichkeiten angeht, sondern hin und wieder auch, wenn es darum geht Geld in eine Sache zu investieren.
Erst vor kurzem erhielt ich ein neues Mandat, in dem momentan das Insolvenzverfahren gegen den Schuldner läuft. Der Gläubiger ist jedoch nach wie vor der Ansicht, dass die vom Schuldner hinsichtlich seines Einkommens gemachten Angaben falsch sind. Zudem ist der Schuldner laut Insolvenzgericht unbekannten Aufenthalts und aller Wahrscheinlichkeit wird das Verfahren gegen ihn in Kürze sowieso mangels Masse eingestellt.
Der Gläubiger wollte hier unbedingt eine Einwohnermeldeamtsauskunft eingeholt haben, weil er der Aufenthaltsermittlung des Insolvenzgerichts sowie des vorläufigen Insolvenzverwalters nicht traute. Wie zu erwarten erhielten wir die Auskunft, dass der Schuldner nach unbekannt verzogen sei.
Somit hätte der Gläubiger sich die Ausgaben sparen können.
Aber damit nicht genug. Wenn es nach ihm gegangen wäre, hätten wir direkt einen Detektiv beauftragt, der den Schuldner ein paar Tage beschatten sollte, nachdem er ihn erstmal ausfindig gemacht hat. Alles Kosten, in nicht gerade geringer Höhe, die während des Insolvenzverfahrens durch niemand erstattet werden.
Nach einiger Diskussion konnten wir uns dann aber letztlich doch darauf einigen, erstmal abzuwarten, was das Insolvenzverfahren noch bringt. Sollte dann die Zwangsvollstreckung wieder möglich sein werden wir kurzfristig überlegen welche Maßnahmen Sinn machen und welche Kosten hierbei vertretbar sind.
Meistens hat man es ja eher mit der Sorte Mandanten zu tun, die jeden Cent zweimal umdrehen, bevor sie ihn in so eine Sache stecken. An sich ist das ja auch durchaus verständlich und wirtschaftlich auch hin und wieder sinnvoll.
Es erschwert jedoch die Arbeit unheimlich, wenn man eigentlich alles beisammen hat, um eine Lohnpfändung auszubringen, der Mandant aber bereits die 15 Euro für den Pfändungs- & Überweisungsbeschluss scheut. Wenn man dann noch damit anfängt, dass zusätzlich noch Gerichtsvollzieherkosten für die Zustellung des Beschlusses anfallen, dann ist es bei einigen Gläubigern völlig aus.
Man kommt teilweise einfach nicht umhin ein paar Euro in die Zwangsvollstreckung zu investieren um eventuell doch noch an sein Geld zu kommen. Man muss jedoch auch immer die Kosten zum erhoften Nutzen in Relation setzen um nicht wirklich unnötiges Geld für eine Sache auszugeben, die es nicht wert ist.
